„Also, der hüpft dann plötzlich auf drei Beinen – meistens, wenn er in irgendwas Komisches getreten ist!“ Diese Kundenaussage höre ich in meiner Praxis sehr häufig. Viele Hundehalterinnen und Hundehalter kennen das:
Der Hund läuft ganz normal, tritt auf etwas Ungewohntes – ein kleines Steinchen, Splitt, feuchtes Gras – und plötzlich wird ein Hinterbein hochgezogen. Nach wenigen Schritten läuft er wieder völlig unauffällig weiter.
Kein Jaulen. Keine Schwellung. Kein sichtbarer Schmerz. Und trotzdem bleibt dieses Gefühl: „Irgendetwas stimmt hier doch nicht.“
Natürlich kann ein kurzer Reiz an der Pfote die Ursache sein, zum Beispiel durch:
Gerade verklebte Haare zwischen den Zehen wirken wie ein kleiner Zugverband: Bei jedem Schritt ziehen sie schmerzhaft an der empfindlichen Haut. Der Hund hebt das Bein kurz an, um diesen Reiz zu vermeiden. Nach dem Reinigen oder Kürzen des Fells verschwindet das Hüpfen dann meist vollständig.
Doch nicht immer liegt der Auslöser tatsächlich an der Pfote.
Manchmal zeigt sich dort nur ein Symptom – während die eigentliche Ursache höher im Bewegungsapparat sitzt, sehr häufig im Kniegelenk.
Die Patella ist die Kniescheibe Ihres Hundes. Sie liegt normalerweise in einer knöchernen Führungsrinne am Oberschenkel und gleitet dort bei jeder Beugung und Streckung des Kniegelenks sauber auf und ab.
Bei einer Patella-Luxation springt diese Kniescheibe kurzzeitig aus dieser Führungsrinne heraus – meist nach innen, seltener nach außen. In diesem Moment verliert das Knie seine stabile Führung. Der Hund zieht das betroffene Bein reflexartig hoch, um diese instabile Belastung und den damit verbundenen Schmerz zu vermeiden.
Sobald die Kniescheibe wieder in ihre normale Position zurückspringt, läuft der Hund oft weiter, als wäre nichts gewesen. Genau deshalb wird dieses typische „Dreibein-Hüpfen“ so häufig als „empfindliche Pfote“ oder gar als "Marotte", um Aufmerksamkeit zu bekommen, fehlgedeutet.
Man unterscheidet verschiedene Schweregrade:
Auch die leichten Formen können langfristig Schmerzen, Muskelabbau, Arthrose und wiederkehrende Lahmheiten verursachen, wenn sie unbeachtet bleiben.

Grundsätzlich kann jeder Hund eine Patella-Luxation entwickeln. Deutlich häufiger betroffen sind jedoch kleine und sehr leichte Rassen, da hier die knöcherne Führung der Kniescheibe oft flacher angelegt ist oder die Beinachsen leicht verändert sind.
Besonders häufig betroffen sind unter anderem:
Aber auch mittelgroße Rassen können betroffen sein, zum Beispiel:
Die Luxation ist oft angeboren oder genetisch begünstigt, kann sich aber auch durch Fehlbelastungen, Muskelungleichgewichte, Stürze, rutschige Böden oder nach Verletzungen verstärken oder erstmals sichtbar werden.
Weil der Hund nicht dauerhaft lahmt, wird dieses Verhalten oft unterschätzt. Doch jeder einzelne Moment, in dem das Bein entlastet wird, verändert die Belastung des gesamten Körpers.
Der Körper beginnt zu kompensieren. Durch das wiederholte Entlasten des schmerzhaften Hinterbeins verlagert sich das Körpergewicht unbewusst auf die andere Seite und verstärkt nach vorne. Gleichzeitig verändern sich die Muskelspannungen.
Diese schmerzbedingten Spannungsverschiebungen führen dazu, dass sich die Fehlbelastung nicht nur lokal im Knie zeigt, sondern sich über den gesamten Bewegungsapparat fortsetzt. So können sich die Probleme über diagonale Belastungsketten bis in die gegenüberliegende Schulter, das Ellenbogengelenk und die vordere Gliedmaße ausbreiten.
Vergleichbar ist dies mit einem Menschen mit Knieschmerzen: Durch das unbewusste Hinken wird die Gegenseite stärker belastet – und irgendwann beginnen dort Schulter oder Rücken zu schmerzen, obwohl dort ursprünglich kein Schaden bestand.
Zusätzlich erhöht diese dauerhafte Fehlbelastung, aber auch jedes Herausspringen der Patella aus ihrer Bahn selbst, das Risiko für Arthrose deutlich. Der Gelenkknorpel wird ungleichmäßig belastet, baut sich schleichend ab, Entzündungen entstehen leichter und das Gelenk wird zunehmend steifer und schmerzhafter.
Bitte lassen Sie Ihren Hund zeitnah tierärztlich oder physiotherapeutisch untersuchen, wenn eines oder mehrere dieser Zeichen auftreten:
Wichtig: Wiederholte instabile Belastungen im Kniegelenk führen langfristig fast immer zu Arthrose. Je früher die Ursache erkannt wird, desto besser lässt sich dieses Risiko reduzieren – durch gezielte Physiotherapie, Muskelaufbau und Koordinationstraining, häufig ganz ohne Operation.
Hüpfen kann harmlos sein – muss es aber nicht. Wenn das Verhalten wiederkehrt, einseitig bleibt oder sich verändert, lohnt sich immer ein genauer Blick.
So schützen Sie nicht nur das Knie Ihres Hundes, sondern auch seine Beweglichkeit, Lebensfreude und Gelenkgesundheit bis ins hohe Alter.